Maine Coon-Kauf bei seriösen und unseriösen Züchterinnen

Gschrieben von Alexandra Bader

Maine Coon-Kauf bei seriösen und unseriösen Züchterinnen - auch interessant für Menschen, die sich für andere
Rassen begeistern!


Die Maine Coon ist eine "in"-Katze, sodass viele von Boom profitieren wollen, während andere mit der ganzen
Seele an dieser liebenswerten Rasse hängen. Letztere investieren viel Zeit und auch Geld in ihr Hobby, um
gesunde Katzen zu züchten, da es bei dieser Rasse wie bei anderen auch Risiken gibt. Zum einen ist da die
Zucht auf die beliebte Silvertabby-Farbe, bei der auch bei Briten oder American Shorthair Obdacht gegeben
werden muss, dass die Katzen nicht immer kleiner werden. 

Außerdem kann bei der Maine Coon Hüftdysplasie auftreten und Hyperkardiomyopathie, eine Herzschwäche, beides
ist vererblich. Dies spricht nicht gegen die Maine Coon, da derlei lediglich bei "Bauernhofkatzen" nicht
untersucht wird, weil sich um deren Wohl kaum jemand schert. Handelt es sich um eine Rasse mit Stammbäumen
zu jeder Katze, kann festgestellt werden, welche Linien was vererben. Bei den Nachkommen namenloser Katzen
ist derlei nicht machbar, sodass deren Aufnahme eher ein Glückspiel ist als der Kauf einer Rassekatze.

Um sichtbar zu machen, worauf man beim ersten Kontakt und beim ersten Besuch mit ZüchterInnen achten muss,
habe ich die auf zuechterszene.info beschriebe Mea aus der Zucht of Xxx Xxxxxx mit Athos aus der Zucht
Kathanevas Maine Coons gegenübergestellt.

MEA: Käuferin hat Schwägerin mit, die vom Kauf abrät. Hier wäre besser:
Einwände ernstnehmen, nichts überstürzen, alles auf der Heimfahrt in Ruhe
besprechen, sich gegenüber Züchterin Bedenkzeit erbitten, auch andere
Züchter besuchen. 

ATHOS: Käuferin kommt alleine zur Züchterin, die von einer überschaubaren
Anzahl an Kätzchen und Katzen beim Heimkommen umringt wird. Ein Kauf auf
einen Besuch hin kommt sowohl für Züchterin als auch Käuferin nicht in
Frage, auch wenn sich die beiden grundsätzlich einig sind.

MEA: Züchterin ist bereit, Katze sofort mitzugeben, will sich das neue
Zuhause des Tieres nicht ansehen.

ATHOS: Züchterin möchte Athos in sein neues Zuhause bringen; Käuferin möchte
noch überprüfen, was alles bezogen auf einen jungen Kater "nicht
katzensicher" ist.

MEA: Züchterin hat vermutlich nicht sichergestellt, dass Kätzchen im neuen
Zuhause auch Katzengesellschaft hat.

ATHOS: Züchterin ist wichtig, dass Kater verträgliche Gesellschaft hat, in
diesem Fall zwei kastrierte, verspielte Katzendamen. Züchterin erzählt, für
ihn habe es auch Interessenten gegeben, bei denen er mit zwei für den zarten
Kater zu massiven Britenkatern spielen sollte, was sie nicht wollte.

MEA: Züchterin behauptet, der Kölner Karneval beschäftige nicht nur
Karnevalsvereine, sondern auch Katzenzuchtvereine, sodass die Papiere erst
"später" fertig seien.

ATHOS: Züchterin vereinbart, die Papiere mitzubringen, wenn sie den Kater
samt Kaufvertrag ins neue Zuhause fährt. Käuferin hat bereits die im
Internet auf der Seite der Züchterin angegebene Abstammung von Athos' Eltern
Lachetals S Rocky und Sarafina Flashlight mittels der Maine Coon Datenbank
nachgesehen.

MEA: Hat Züchterin die Eltern der Katze gezeigt? Haben die Farben möglich
erscheinen lassen, dass Mea die Tochter dieser Katzen ist?

ATHOS: Rocky fiel als Schmusekater sofort auf, da er von der Züchterin
herumgetragen werden wollte. Rocky ist Silver Classic Tabby mit Weiss, die
leider nach einer Operation verstorbene Mutter Flashlight war ebenfalls
Silbertabby. Der Stammbaum von Athos' Wurfbruder D'Artagnan ist jetzt bei
pawpeds zu finden, da der Kater Nachkommen hat siehe
http://www.pawpeds.com/cgi-bin/MCO?a=p/id=4021888/g=4/db=MCO

Die Farbcodes für Rocky und Flashlight sind ns 09 22, was bedeutet, dass sie Blotched Tabbies mit
schwarzer Zeichung auf silbernem Grund und weißen Abzeichen sind. Ihrem Sohn Athos haben sie diese
Zeichnung mit gegegeben, zwei Brüder sind Red Silver Classic und einer ist Browntabby with White.
Ein Stammbaum von Athos, bis auf Maine Coon-Gründerkatzen zurückverfolgt und mit Fotos befindet sich
unter:
http://members.chello.at/alexandra.bader/fleur/athos.htm

MEA: War bei Züchterin sehr ruhig, was nicht einfach zu beurteilen ist, 
da es keineswegs immer ein Alarmzeichen ist. Vielleicht ist gut zu 
unterscheiden zwischen Ruhe als Gedämpfheit und Ruhe als Züruckhaltung.
Letzteres zeigen Katzen, die sich nicht gleich wild ins Getümmel stürzen,
aber keineswegs krank sind.

ATHOS: Auch Athos ist der Ruhigste vom Wurf, zugleich einer, der relativ
klein bleiben wird, wie die Züchterin sofort sagt. Als Silvertabby von
Silvertabbies ist das auch nicht so überraschend und genau das, was sich die
Käuferin wünscht. Erstens liebt sie die Silvertabby-Farbe und zweitens hat
sie bereits eine Silvertabby-Katze aus der bekannt großen Degoonacoon-Linie.
Eigentlich wollte die Käuferin ein Mädchen für ihre Katzendamen und nicht
unbedingt eine Maine Coon, doch paßt diese Rasse wahrscheinlich am besten zu
einer Maine Coon und einer mit dieser zusammenlebenden Kartäuserin.

MEA: Ist im neuen Zuhause ängstlich und wird sofort krank, Tierarzt
konsuliert Katzenschnupfen, Züchterin redet sich auf Umzug und Kälte draußen
aus. Obwohl es neulich ein ganz absurdes Gerichtsurteil gab, wonach man mit
Pilzerkrankungen rechnen muss, wenn man eine Katze kauft, gibt es bei
seriösen Züchtern keine Pilze! Und sollte es doch vorkommen, wird
selbstverständlich kein Tier abgegeben, bis alle die Krankheit überwunden
haben - unter anderem besteht ja auch Ansteckungsgefahr auf Menschen!

ATHOS: Niest im neuen Zuhause ein wenig, Züchterin sagt schon im Vorhinein,
dies könne selbst beim Transport im Auto im Sommer erfolgen, weil ein
Kätzchen doch etwas Fahrtwind abbekommt. Nach fünf Minuten liegt er
schnurrend auf dem Bett und freundet sich sofort mit seiner neuen
Zweibeinerin an. Einzig enttäuschend oder überraschend aus seiner Sicht ist
die Zurückhaltung der Katzendamen: diese wollen nicht, dass er sie
überschwänglich begrüßt und sich an sie kuschelt oder aus ihren Futternäpfen
frißt, an die gemeinsame Fütterung aller Katzen von Speiseanrichteplatten im
alten Zuhause gewöhnt.

MEA: Dies sind nun Vermutungen, die wahrscheinlich nicht unzutreffend sind:
Züchterin ist nicht oder nicht voll berufstätig, "Zucht" soll etwas
abwerfen, mindestens aber nicht mit großen Kosten verbunden sein. Züchterin
gibt sich eher emotional als sachlich-herzlich. Ob die Käuferin sich
Tierhaltung leisten kann, genug Zeit hat, zumindest etwas Vorwissen, hat
Züchterin vielleicht nicht allzu sehr interessiert. Katzen sind hier wohl
eher mit "niedlichen" Adjektiven beschriebene, in Wahrheit als Objekte
wahrgenommene Wesen, deren Bedürfnisse nicht im Vordergrund stehen.

ATHOS: Züchterin und deren Ehemann sind voll berufstätig, erzählen, was es
für sie bedeutete, sich auf das Abenteuer Katzenzucht einzulassen. Unter
anderem schlaflose Nächte, da Athos und seine Brüder zeitweise mit dem
Fläschchen gefüttert werden mußten. Das Gespräch ist in erster Linie
sachlich, ein Austausch von Informationen und Ansichten. Es geht nicht
darum, dass eine Käuferin der Züchterin in allem voll zustimmt oder
umgekehrt, sondern dass eine ähnliche Einstellung zu Tieren sichtbar wird.
Schliesslich interessieren Züchterin auch die Möglichkeiten der Käuferin,
ihr Katerchen angemessen zu versorgen und sich um ihn zu kümmern. Katzen und
Kätzchen sind nicht in erster Linie süss und niedlich, sondern Lebewesen mit
eigenen Bedürfnissen, keine Erweiterungen des menschlichen Selbst oder
Objekte.

MEA: Aus den Infos geht wenig über die Lebensbedingungen der Katzen bei der
Züchterin hervor, es fehlt jedoch einiges, das für die Züchterin von Athos
spricht, siehe unten.

ATHOS: Katzen haben ganzes Haus zur Verfügung und zwei Freigehege, an das
ursprüngliche kleinere wurde nun ein großes angebaut, in dem auch ein
schattenspendender Baum steht und auf einem Baumstumpf Kletterplattformen
errichtet wurden. Um Züchterin und Käuferin tollen junge Katzen herum,
während sich ältere auf die Plattformen und eine Bank setzen, um
gestreichelt zu werden.

MEA: Wurde, wie der Tierarzt richtig bemerkt, nicht im Alter von 12 Wochen
und daher ohne Impfschutz abgegeben. Wäre die Käuferin ein paar Tage früher
gekommen, hätte Mea nicht mal die erste Impfung der Grundimmunisierung
gehabt. Somit ist der Katzenschnupfen beim sensiblen Organismus eines
Kätzchens auch kein Wunder, jedenfalls dann nicht, wenn der Bestand der
Züchterin keinen ausreichenden Impfschutz hat.

ATHOS: War im Alter von 12 Wochen grundimmunisiert, doch abgegeben wurde er
erst mit 6 Monaten, da die Züchterin keine Eile hat, Kätzchen zu verkaufen.
Lieber wartet sie etwas, bevor sie sich dauernd Sorgen machen muss, ob sie
ein Tier wohl der richtigen Person gab.

MEA: Züchterin erkundigt sich nicht, wie es dem Kätzchen im neuen Zuhause
geht.

ATHOS: Züchterin fragt in den ersten Wochen mehrmals nach, freut sich, dass
es ihm gutgeht. Sie interessiert sich auch nach ein paar Jahren noch für den
"Kleinen", trifft die Käuferin manchmal bei Shows, die beide nur aus
Interesse besuchen, nicht jedoch, um auszustellen. Maxime der Züchterin ist,
soweit notwendig auszustellen, nicht aber, wenn es die Tiere stresst.

MEA: Hat Züchterin Zuchtphilosophie? Den Käuferinnen ihrer Kitten scheint
sie diese jedenfalls nicht mitzuteilen. Vermutlich müssen wir da mit dem
Bild eines neugeborenen Kätzchens und dem infantilen Ausruf "Wir haben
Babies!" zufriedengeben. Werden Zuchttiere auf Erbkrankheiten untersucht?
Werden Tiere erst ausgestellt, sprich von unabhängigen Experten bewertet,
ehe sie Nachwuchs haben dürfen?

ATHOS: Züchterin käme nie auf die Idee, Neugeborene in die Kamera zu halten.
Käuferin kennt ihre Zuchtphilosophie, da Züchterin auch darüber immer wieder
gerne spricht. Alle Katzen werden penibel regelmäßig auf
Hyperkardiomyopathie und Hüftdysplasie untersucht, was die Käuferin bereits
beim ersten Züchter-Sondieren im Internet der Webseite der Züchterin
entnehmen konnte. Auch kastrierte Verwandte von Zuchttieren werden gecheckt,
da Züchterin um jeden Preis vermeiden möchte, durch ansonsten noch so gute
Linien zur Verbreitung von HCM und HD beizutragen. Sie ist über alles auf
dem Laufenden, was Diagnostik betrifft, so auch über einen propagierten
Gentest, der jedoch nicht hält, was er verspricht.

Züchterin achtet strikt darauf, Inzucht zu vermeiden, da die Maine Coon ohnehin eine ingezüchtete Rasse
ist - nicht als einzige Rasse natürlich, sodass sich auch bei anderen Katzen Studium von Stammbaum-
datenbanken empfiehlt. Sehen wir uns an, was http://www.pawpeds.com zur Inzucht im Pedigree von Athos und
seinem Bruder sagt: 13,9%. Eine Eigentümlichkeit der Maine Coon sind die "Clones", die 36,7% der Vorfahren
der Brüder ausmachen. Die Maine Coon geht auf wenige Foundation Cats zurück, meist auf Bridget Katt of 
Heidi Ho, Andy Katt of Heidi Ho, die bei Athos und den meisten anderen Coons die Liste der häufig
vorkommenden Foundation Cats anführen.

Die "Clones" sind identisch aussehende Nachkommen von Heidi Ho Sonkey Bill und Tanstaafl Polly Adeline of
Heidi Ho; diese beiden Katzen sind wiederum mehrfache Nachfahren von Andy Katt, Bridget Katt und anderen.
Angesichts dieser Fakten - die im Web u.a. bei Pawpeds zugänglich verstehen auch Laien sofort, dass es fatal
ist, einfach Maine Coon-Mutter mit Maine Coon-Sohn zu paaren, weil ein anderer Kater weiter weg ist oder man
Deckgebühren bezahlen muss. Die Züchterin von Athos hat wegen der Inzucht in der Rasse zwei Katzen aus Amerika
kommen lassen, die in hinteren Generationen auf New Foundations zurückgehen, das sind Farmkatzen aus dem
Bundesstaat Maine, die ganz im Maine Coon-Typ stehen und eine wichtige Bereicherung im Genpool der Rasse
darstellen. 

MEA: Züchterin hat Kätzchen sicher mit Gewinn verkauft, sie nur einmal
geimpft, sie in einer Umgebung aufwachsen lassen, die schwache Konstitution
und Angst fördert.

ATHOS: Züchterin verlangt gerechtfertigten Preis für seriös gezüchtete
Kätzchen, die voll geimpft und inzwischen in der Regel auch kastriert sind,
da sich nicht jeder Käufer an das Zuchtverbot im Kaufvertrag bei einem
Liebhabertier hält. Züchterin gibt gewohntes hochwertiges Futter und
Nahrungsergänzungspräparate mit, gibt Käuferin wichtige Tipps.

MEA: Ist Käuferin nach Krankheiten und hohen Tierarztrechnungen ans Herz
gewachsen, hat ihre Angst verloren und kann den goldenen Maine
Coon-Charakter zeigen.

ATHOS: Einziges "Problem" bisher war die Ultraschall-Suche nach seinem
zweiten Hoden vor der Kastration, da der Kater Kryptorchide ist. Die
Operation, vom Aufwand vergleichbar der Kastration einer Katze, überstand er
sehr gut, war danach recht munter und konnte mit einiger Mühe für ein paar
Tage in der Wohnung gehalten werden, bis er wieder hinaus durfte. Die
Kastration war nicht nur deswegen wichtig, weil sich Käuferin dazu
verpflichtet hat, sondern auch, weil Kleinheit ebenso wenig gefördert wie
Kryptorchismus weitergegeben werden soll. Diese Anlage vererbt sich
rezessiv, dh es kann ein paar Generationen keine Katerchen mit einem Hoden
in der Bauchhöhle geben, bis diese Veranlagung auch von der Mutterseite
vererbt wird. 

Vom Wesen her ist Athos ungeheuer liebevoll, hat eine zarte, helle Stimme und liebt es besonders, jüngere
Kater zu beaufsichtigen - etwa einen ausgesetzten kleinen Kater, der auf die Terrasse kam, als Athos operiert
wurde. Der Kleine leistete Athos Gesellschaft im "Krankenzimmer" und war dann mit ihm draußen im Garten.
Athos war auch bei Regen und Schnee im Garten, ohne je auch nur den Ansatz eines Schnupfens zu zeigen.

MEA: Züchterin machte mit Käuferin offenbar reinen Kaufvertrag, dh Käuferin
kann mit der Katze tun, was sie will, muß sie weder artgerecht halten noch
kastrieren lassen.

ATHOS: Züchterin setzt prinzipiell nur Kaufverträge auf, die eher
Schutzverträge sind. Katzen müssen artgerecht gehalten und kastriert werden.
Sie gibt an Liebhaber keine Katzen zur Zucht ab, sondern allenfalls an
seriöse andere Züchter.

****
FAZIT: Es lohnt sich, vorsichtig zu sein, sich umzusehen, sich im Web vorzuinformieren und auch
ZüchterInnen anzumailen, ob sie in etwa die Katze haben, die man sich vorstellt. Jene, denen die Rasse am
Herzen liegt, vermitteln gerne weiter zu KollegInnen, von denen sie überzeugt sind, mit denen sie auch
zusammenarbeiten. Im Vergleich sieht man bald, wo der Internetauftritt für seriöse Zucht spricht und wo
man aufpassen sollte. Zwar sollte die Gestaltung der Seite kein Kriterium sein, doch ist anzunehmen, dass
jemand, der dabei spart, auch bei den Tieren spart. Und wer eine grauenhafte Seite ins Netz stellt und
darunter großspurig sich selbst als DesignerIn von Webseiten anpreist, überschätzt sich wohl auch, was den
Aufwand seriöser Zucht betrifft.

Entscheidend muss sein, dass möglichst viele wichtige Informationen gegeben werden wie: Wer züchtet warum?
Was ist die Maine Coon - oder eine andere Rasse -, was macht sie so besonders? Welche Zuchttiere und welche
Würfe sind vorhanden? Um das Herz für Tiere zu bewerten, sind auch Verweise auf Hauskatzen oder kastrierte
Tiere, auch Einzeltiere anderer Rassen hilfreich. Werden aussagekräftige Fotos und Stammbäume der Zuchtkatzen
angeboten?

Lassen die Aufnahmen vermuten, dass die Katzen Bewegungsraum haben? Vernetzter Balkon, Kratzbäume, Freigehege
usw. Ist die Anzahl der Katzen überschaubar oder wird "produziert"? Welche Infos werden zu gesundheitlichen
Checks und Impfungen gegeben? ZüchterInnen, die es nicht nötig haben, Katzen zu "verschleudern", lassen
deutlich durchblicken, dass sie ihre Tiere nicht jedem anvertrauen!

UND EIN RAT: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob sie "hohe Preise" für eine Rassekatze bezahlen wollen,
denken Sie daran, dass ein Rassehund derlei für viele Menschen doch wert ist. Dessen Aufzucht ist jedoch
nicht teurer als die einer Katze, da Katzenfutter anderen Anforderungen genügen muss, auch wenn Katzen kleiner
sind und weniger fressen. Wenn wir die Geschichten von MEA und ATHOS vergleichen, so hat Mea sicher weniger
gekostet – allein aufgrund eines gewissen Preisunterschiedes zwischen Deutschland und Österreich. In Wahrheit
war Athos das Schnäppchen, kerngesund und gut sozialisiert, ein Kater, der den Tierarzt wirklich nur dann
sieht, wenn es notwendig ist, der seine Lebenszeit dazu verwenden kann, Katze zu sein, ohne sich zu fürchten,
ohne an Krankheiten zu leiden.

Tatsächlich wollen manche Vermehrer mit "Maine Coon um 300 Euro", in Österreich vielleicht eher 350 oder 400
Euro, zum schnellen Kauf verlocken. Wahlweise kann es da sogar Papiere geben, was nichts anderes bedeutet,
als dass die Katze keine Papiere hat, es keine ordnungsgemäßen Wurfmeldungen bei einem Zuchtverein gab. ES
HANDELT SICH DAHER BEI SOLCHEN TIEREN AUCH NICHT UM RASSEKATZEN! Wo echte Züchter investieren, sparen
Vermehrer: Futter, Menschenkontakt, Gesundheit, Platz, Rücksicht auf die Katzen, die nicht in einer Hundemeute
und umgeben von Kleinkindern aufwachsen wollen, auch Schonung der Katzenmutter, da nur im Verein die Anzahl
der Würfe begrenzt wird. Wenn es dann doch einen Stammbaum gibt, aber unterschiedliche Angaben zum Geburtstag
der Tiere gemacht werden, besteht der Verdacht auf Manipulation. 

WICHTIGER TIPP 1: Vielfach bieten Vermehrer ihre ach so entzückenden Katzenbabies in Tierforen im Internet an.
Das ist für sie besonders interessant, da sie nur ein paar Zeilen eintippen müssen und sich schon viele Menschen
für endlich mal "günstige Rassekatzen" interessieren. Sie meinen, man könne bei so wenigen Informationen erst
recht nicht sagen, wer seriös und unseriös ist, da auch seriöse Züchter manchmal derlei Postings machen? Doch,
man kann:

* Seriöse Züchter geben die Farben des Nachwuchses, das Geburtsdatum, das Abgabealter - ab der 12. Woche -, die
Impfungen, das Vorhandensein eines Stammbaumes korrekt an und nennen auch den Zwingernamen, meist mit Webseite.

* Vermehrer irren sich oft bei Farbbezeichnungen, schreiben manchmal nicht mal die Rasse richtig - "Main Coon"
oder "Maine Coone" - ist ein recht beliebter Verschreiber -, sie schweigen sich über Impfungen und Stammbäume
aus. Selbst wenn Stammbäume vorhanden sein sollen, aber die Farben oder die Rasse falsch geschrieben ist, 
sollte man sehr aufpassen.

* Vermehrer entlarven: Achten Sie auf die Reaktionen anderer UserInnen, einerseits von seriösen Züchtern,
andererseits von informierten Rasseliebhabern. Wenn auf deren Nachfragen nach Abstammung, Abgabealter,
Impfungen, oder auch: "was soll diese Farbbezeichnung denn sein, nie gehört!" Schweigen oder wütende Postings
kommen, können sie sicher sein, dass Sie da nur jemand auf Kosten der Tiere abzocken will.

* Vermehrer ganz schnell aufs Glatteis führen: Es wirkt Wunder, unter dem Namen von bekannten Stammkatzen der
jeweils angebotenen Rassen zu posten. Dies können sie auch tun, wenn sie sich einloggen müssen und nicht ihre
Identität jedesmal neu wählen können - sie können ja mit den Namen unterschreiben, die Züchter einer Rasse 
kennen müssen. 

Beispiel:

* in einem österreichischen Tierforum wurden Maine Coons ohne Papiere angeboten. UserInnen posteten nun Fragen
als "Bridget Katt" und "Andy Katt". Den angeblichen Maine Coon-Züchtern sagten diese Namen nichts, und bald
klärten die UserInnen das allgemeine Forum darüber auf, warum man diese Namen als MC-Züchter kennen MUSS. Sie
haben in diesem Text von diesen Katzen gelesen; wenn Sie einmal einen MC-Stammbaum zurückverfolgen, kommen diese
Katzen mehrfach vor, Sie werden sich diese Namen also ungefähr merken.

* dies läßt sich bei jeder Rasse anwenden: hat jemand angeblich Burmas, sind Sie "Wong Mau", sind es Siamesen,
unterschreiben Sie mit "Wankee", sind Sie "Eros of Allington", dann mimen sie keinen Deckkater auf Damensuche,
sondern checken angebliche Perserzüchter ab. Jenen Kater aus der Frühzeit muss man zwar nicht namentlich kennen,
aber der Zwingername "of Allington" ist allen bekannt, die sich wirklich mit der Rasse befassen. Will ihnen 
jemand graue Bauernkatzen als Kartäuser, also Britisch Kurzhaar verkaufen, unterschreiben sie mit "Jezreel Jake"
oder "Brougthon Jane".

Einen Anbieter von vermeintlichen Chartreux-Katzen fragte ich mal, ob die Tiere von Corentin de la Ramee und
Victor Hugo abstammen, zwei noch lebenden Katern, die in so gut wie allen Chartreux-Stammbäumen hierzulande und
vielfach  in Deutschland sind. Schweigen im Walde. Ich hätte auch – wie übrigens ebenso in Sachen Briten – als
"Pensylva Julia" posten können. Werden aus grauen  Bauernkatzen Russisch Blaue, da diese selten und begehrt
sind, bin ich "Pierette", eine Stammkatze in SKandinavien, deren Namen allen geläufig ist. Sollen Unwissenden
Katzen als Abessinier angeboten werden, stellen sie als "Zulu" Fragen, ist es die Langhaarvariante Somali, sind
sie "Roverdale Purrkins". Einmal sah ich bei einer Katzenausstellung in Wien eine Deutsche mit Scottish Folds;
am nächsten Tag traf ich sie in der U-Bahn, sie war auf dem Weg zum Bahnhof, reiste so, war offenbar nicht
sonderlich wohlhabend, was erstmal nicht gegen sie spricht.

"Ich habe eine Katze, die Papiere als Chartreux bekam, aber eine Enkelin von Toccata von Muspilli ist", sagte
ich. Der Fold-Züchterin war der Name dieser bekannten deutschen Fold-Kätzin unbekannt. Ich versuchte es nochmal:
"Meine Katze hat in 4. Generation Bryric Little Texas Bear." Ebenfalls völliges Unverständnis - was für diese
Seite insofern interessant ist, als dass es sich wahrscheinlich um jene Züchterin handelt, über die auf
zuechterszene.info immer wieder berichtet wird. Nun ist die Scottish Fold beinah die seltenste Rassekatze in
Deutschland, die jahrelang nur im - seriösen - Zwinger von Muspilli gezüchtet wurde. Dieser importierte einst
Texas Bear aus den USA, was in der Katzenszene auch weithin bekannt war.

TIP 2: Oft verunsichert einen die Umgebung wegen der "so teuren" Rassekatzen. Sicher, eine Urlaubsreise zumindest
allein, vielleicht auch ein Wochenende zu zweit in einer europäischen Hauptstadt muss man schon "investieren".
Aber: es ist die persönliche Entscheidung von KäuferInnen, die Katze anstelle des Urlaubs zu wählen. Vielfach
kommt das Verständnis später, wenn Verwandte z.B. nach dem Tod des Tierheimhundes, der immer gewisse
Ängstlichkeiten aus seiner nicht bekannten Vergangenheit hatte, zum seriösen Hundezüchter gehen. Da wird dann,
ehe man sich's versieht, von der tollen Sozialisation bei der netten Familie, den vielen Infos über die Rasse,
vom Stammbaum und der Gefahr der Inzucht gesprochen und alle sind restlos begeistert, wenn der so "andere" Welpe
dann im Haus ist....

*****

Letztlich ist es eine Frage des Tierschutzes, Vermehrer zu meiden, ihnen das Veterinäramt zu schicken, wenn die
Zustände vor Ort bedenklich sind oder in ihren Beständen Krankheiten auftreten. Wer sich das "teure" Rassekitten
nicht leisten kann, sollte sich unter privat vermittelten erwachsenen kastrierten Rassekatzen umsehen. Umsonst
gibt es die meist nicht, aber im Interesse der Tiere sollte ohnehin immer eine Schutzgebühr für eine Katze
verlangt werden. Schliesslich bleiben noch die "ganz gewöhnlichen Hauskatzen", die es auch bei Athos gibt. Einer
seiner Kumpel wurde letzten Sommer in Wien ausgesetzt und gerettet, ein prächtiger Kater in orientalischem Typ,
wie eine Burmakatze in schwarz. Der andere lief uns als ausgesetztes Kätzchen zu, ist unheimlich lieb und
braungetigert-weiss....

Alexandra Bader